Termine

Sonstige Veranstaltung

Symposium zur Forschung des Berliner Anatomischen Instituts während des Nationalsozialismus

Veranstaltet von der Charité – Universitätsmedizin Berlin und der Stiftung Gedenkstätte Deutscher Widerstand

9. Mai 2019 17.00 Uhr
Friedrich Kopsch-Hörsaal im Institut für Anatomie, Wilhelm Waldeyerhaus, Philippstraße 12, 10115 Berlin

Symposium zur Forschung des Berliner Anatomischen Instituts während des Nationalsozialismus

Die Charité – Universitätsmedizin Berlin und die Stiftung Gedenkstätte Deutscher Widerstand veranstalten am 9. Mai ein gemeinsames Symposium zur Forschung des Berliner Anatomischen Instituts während des Nationalsozialismus. Zentral ist dabei die Auseinandersetzung mit dem Institutsleiter Hermann Stieve und seiner histologischen Forschung an Hingerichteten aus dem Strafgefängnis Berlin-Plötzensee.

Die zwei Vorträge des Symposiums zu Stieves Forschungen an Hingerichteten und seiner Rolle als Dienstleister der NS-Unrechtsjustiz werden durch zwei künstlerische Programmpunkte ergänzt: So fragen Studierende der Charité in szenischer Form nach dem Wirken von Stieve damals und heute. Abschließend wird das Kunstwerk „Phantombild der Widerständigen" zu Ehren von Charlotte Pommer (1914-2004) enthüllt. Als Stieves Assistentin hatte sie ihre Mitarbeit an den Sektionen von Hingerichteten aus Plötzensee verweigert und das Institut verlassen.

Doch wer war Hermann Stieve? Der Anatom kam 1935 an die Berliner Universität. Zwischen 1935 und 1945 hat er an mehreren hundert Leichnamen von Menschen geforscht, die in Plötzensee hingerichtet worden waren. In seinem Nachlass fanden sich im Jahr 2016 mehr als 300 mikroskopische Präparate. Diese kleinsten, gefärbten Gewebeschnitte liegen auf Glas-Objektträgern und sind rund ein hundertstel Millimeter dünn sowie circa einen Quadratzentimeter groß. In Absprache mit der Charité hat der Stieve-Experte Prof. Dr. Andreas Winkelmann, Leiter des Instituts für Anatomie an der Medizinischen Hochschule Brandenburg, die Präparate historisch untersucht. Er konnte sie als Gewebeschnitte von Menschen – überwiegend Frauen – einordnen, die während der nationalsozialistischen Diktatur in Plötzensee ermordet und anschließend im Anatomischen und Anatomisch-biologischen Institut der Berliner Universität zu Forschungs- und Lehrzwecken seziert wurden. Die Präparate werden am 13. Mai im Rahmen einer Gedenkfeier und einer interreligiösen Zeremonie, die die Charité und die Stiftung Gedenkstätte Deutscher Widerstand gemeinsam veranstalten, auf dem Dorotheenstädtischen Friedhof bestattet.

Sowohl das Symposium als auch die Gedenkfeier sind Teil des Projekts „GeDenkOrt.Charité – Wissenschaft in Verantwortung", das für eine Wissenschaft vom Menschen in Verantwortung ein Zeichen setzen will. Dazu gehört auch die Auseinandersetzung der Charité mit ihrer Vergangenheit, denn viele leitende Mediziner der Charité und der Friedrich-Wilhelms-Universität machten in der Zeit des Nationalsozialismus ihre Kliniken und Institute zu Orten der NS-Rassen-, Leistungs- und Vernichtungsmedizin. „Wir haben 2013 intensiv begonnen, uns mit der Rolle der Charité im Nationalsozialismus transparent und öffentlich – weit über die wissenschaftliche Aufarbeitung hinaus – auseinanderzusetzen. So haben wir beispielsweise eine Gedenkausstellung konzipiert und mit einem Künstlerteam den interaktiven Erinnerungsweg REMEMBER entwickelt, der Spuren der Vergangenheit an authentischen Orten auf dem Campus Charité Mitte sichtbar und hörbar macht", betont Prof. Dr. Karl Max Einhäupl, Vorstandsvorsitzender der Charité. Er fügt hinzu: „Mit der Bestattung der mikroskopischen Präparate auf dem Dorotheenstädtischen Friedhof wollen wir dazu beitragen, den Opfern ein Stück weit ihre Würde zurückzugeben."

Das Symposium findet am Donnerstag, den 9. Mai um 17 Uhr im Friedrich Kopsch-Hörsaal, Wilhelm Waldeyer-Haus, Philippstr. 12 in 10117 Berlin, Zugang von der Luisenstraße, statt. Die Gedenkfeier findet am Montag, den 13. Mai um 15 Uhr auf dem Dorotheenstädtischen Friedhof, Chausseestraße 126 in 10115 Berlin statt. Medienvertreter melden sich bitte für beide Veranstaltungen unter presse(at)charite.de an.

Kontakt
Manuela Zingl
Unternehmenssprecherin
Charité – Universitätsmedizin Berlin
t: +49 30 450 570 400

Portal „Wissenschaftliche Sammlungen“

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Veröffentlicht am 08.05.2019