Call for Papers
Call for Papers: „Medizinische Fotodokumentationen und patientenbezogene Abbildungen des 19./20. Jh.“
Michaela Clark, Anne Oommen-Halbach, Carolin Pommert, Vera Seehausen
Für den Online-Workshop am 19. Juni 2026 wird um Einreichungen Ihrer Beitragsideen gebeten.
Historische Patient:innenfotografien eröffnen ein bislang wenig erschlossenes Forschungsfeld zwischen Medizin-, Wissenschafts- und Technikgeschichte. Sie geben Einblick in Praktiken klinischer Dokumentation, Wissensproduktion und in problematische Dimensionen wie Objektivierung und Stigmatisierung. Der online Workshop lädt dazu ein, verstreute Bestände sichtbar zu machen, zentrale Forschungs- und ethische Fragen gemeinsam zu diskutieren und den Grundstein für einen nachhaltigen fachlichen Austausch zu legen.
Historische medizinische Patient:innenfotografien und visuelle Krankheitsdarstellungen stellen einen bislang nur wenig erschlossenen Quellenbestand dar, der gleichermaßen Einblicke in die medizinische Wissensproduktion wie auch in die technische Entwicklung fotografischer Verfahren bietet. In der klinischen Patientenversorgung des 19. und 20. Jahrhunderts fanden Fotografien vielfache Anwendung. Einerseits waren sie Bestandteil der klinischen Versorgung, indem sie bspw. der Dokumentation und „Objektivierung“ von Krankheitsverläufen und diagnostischen Untersuchungen individueller Patient:innen dienten; andererseits wurden sie für die medizinische Lehre und Forschung genutzt. Nicht selten wurden in Kliniken intern verwendete Lehrsammlungen über viele Jahrzehnte hinweg erstellt und archiviert. Diese Bestände dokumentieren (medizin-)historische Praktiken der wissenschaftlichen Instrumentalisierung, aber auch der Stigmatisierung von Patient:innen, deren kritische Aufarbeitung für den heutigen Umgang mit medizinischen Bilddaten von zentraler Bedeutung ist.
Heute schlummern diese fotografischen Sammlungen oftmals eher unbeachtet in (medizin-)historischen Bibliotheken und Sammlungen. Sie wurden bislang im deutschsprachigen Raum nur vereinzelt systematisch erschlossen (z. B. die Fotosammlung Kemmler und die Ausstellung „Hinter Mauern“).
Das Anliegen unseres Workshops ist es, einen Überblick über bestehende (auch kleinere und unsystematisch archivierte) medizinische Bildbestände in medizinhistorischen Instituten, Kliniken und Heimen sowie (ehemaligen) Forschungseinrichtungen zu gewinnen, einen Dialog anzustoßen und zu untersuchen, wie historische medizinische Fotografien auf ethisch verantwortungsvolle Weise bewahrt und erforscht werden können.
Unsere derzeitigen Forschungsfragen lauten:
- Wo gibt es welche Sammlungen, und inwieweit sind diese bereits erschlossen?
- Zu welchem Zweck wurde Fotografie in der Medizin eingesetzt?
- Gibt es spezifische ethische Begrenzungen in verschiedenen medizinischen Disziplinen?
- Wie gehen wir heute damit um?
Wir laden Kustod:innen, Archivar:innen, Forschende, Bibliothekar:innen sowie alle, die mit solchen Beständen arbeiten oder von ihnen wissen, jedoch noch nicht zu deren Erschließung gekommen sind, ein, diese Fragen mit uns zu diskutieren und Einblicke in ihre Bestände in Form eines Impulsvortrags von max. 10 Minuten zu geben. Der Workshop versteht sich als Auftakt für weitere Treffen und einen regelmäßigen fachlichen Austausch.
Termin: 19.06.2026 (online)
Zeit: 11:00–14:00 Uhr
Wir bitten um eine formlose Anmeldung mit Nennung des Vortragstitels bis zum 31.05.2026 an: . Den Link für das Online-Meeting versenden wir nach der Anmeldung.
Organisator:innen
Michaela Clark
Anne Oommen-Halbach
Carolin Pommert
Vera Seehausen
Portal „Wissenschaftliche Sammlungen“
Heinrich-Heine-Universität DüsseldorfMedizinhistorische Bildsammlung am Institut für Geschichte der Medizin und Ethik in der Medizin