Call for Papers
Call for Papers: Tagung Provenienzforschung zu technischem Kulturgut: Handeln, Sammeln und Wissenstransfer. Wissenschaftliche Instrumente und Zeitmessgeräte.
Deutsches Optisches Museum
In vielen musealen Sammlungen besitzen wissenschaftliche Instrumente und Zeitmessgeräte aus vergangenen Jahrhunderten einen besonderen Stellenwert. Seit den Wunderkammern des 16. Jahrhunderts zählen diese Objektgruppen zu begehrten Sammlungsstücken und verweisen auf bedeutende Hersteller, passionierte Sammler sowie bahnbrechende Entdeckungen und Wissenschaftler der letzten Jahrhunderte. Als Objekte der interkulturellen Wissensvermittlung waren sie für die Nutzer zugleich Gebrauchsgegenstände, die durch gewisse Herstellungs-zentren den Stand wissenschaftlicher Entwicklungen und Kenntnisse widerspiegelten. Bei ihrem Einsatz in Studierzimmern, Laboratorien, im Rahmen von wissenschaftlichen Untersuchungen oder auf Expeditionen wechselten derartige Objekte in verschiedenen Zeiten ihre Eigentümer sowie ihre Einsatz- und Aufbewahrungsorte. Durch eine besonders hochwertige Verarbeitung und Präzision waren wissenschaftliche Instrumente und Zeitmessgeräte ebenso wertvolle Objekte, die als Investitionsobjekte galten, auf dem Kunst- und Auktionsmarkt international zirkulierten sowie bei Kriegs-, Verlagerungs- und Entzugs-kontexten Begehrlichkeiten weckten.
Wichtige Grundlagen der Provenienzforschung zur Zirkulation und zum technikhistorischen Sammeln und Handeln wissenschaftlicher Instrumente und Zeitmessgeräte sowie zu deren Bedeutung als Objekte des Wissenstransfers sollen vom 14. bis 15. Oktober 2026 auf der fünften Fachtagung Provenienzforschung Technisches Kulturgut des Deutschen Optischen Museums in Jena präsentiert und im Fachkreis zur Diskussion gestellt werden. Sowohl das technikhistorische Interesse des Gebrauchs und des Sammelns, diverse Händler- und Sammlerkreise, die Ausbreitung und die Zirkulation derartiger Objekte auf dem Kunst- und Antiquitätenmarkt sowie interkulturelle Wissenstransfers sollen dabei offengelegt werden.
Beiträge und Forschungsfälle zu Objekten aus Gewalt-, Entzugs- und Sammelkontexten des europäischen Kolonialismus, NS-Unrechts- und -Entzugskontexte, Kulturgutentzug in der SBZ und der DDR sowie Kriegs- und Verlagerungskontexten werden bevorzugt betrachtet. Der Umgang mit aufgedeckten Unrechts- und Entzugskontexten, die Bewertung der Objekte sowie die Umsetzung von „gerechten und fairen Lösungen“ bilden Schwerpunkte der Fachtagung.
Der Begriff Technisches Kulturgut umfasst dabei Objekte, die mit einem technikhistorischen Interesse gesammelt wurden oder im Laufe der Zeit eine technikhistorische Bedeutung erhielten. Dies kann sehr vielseitige Objektgruppen umfassen, worunter im Bereich wissenschaftlicher Instrumente und Zeitmessgeräte u. a. zählen:
Wissenschaftliche Instrumente
- astronomische Instrumente zur Himmelsbeobachtung und Darstellung (Teleskope, Himmelsgloben, Astrolabien, Armillarsphären, Tellurien, Planetarien, Meridiankreise)
- optische Instrumente zur Vergrößerung oder zur Analyse von Licht (Mikroskope, Lupen und Sehhilfen, Fernrohre, Lupen, Spektroskope)
- Navigations- & Vermessungsinstrumente und Modelle (Kompasse, Sextanten, Erdgloben, Theodoliten, Nivellierinstrumente, Jakobsstäbe, Quadranten, Zirkel)
- Messinstrumente zur Bestimmung physikalischer Größen oder von Stoffen (Waagen, Thermometer, Barometer, Hygrometer, Manometer, Retorten, Reagenzgläser)
- medizinische & anatomische Instrumente (chirurgisches Operationsbesteck, Stethoskope, Kraniometer, Endoskope, anatomische Präparate und Modelle)
Zeitmessgeräte
- Wasser-, Sand-, Kerzen-, Öllampen-, Räucherstäbchenuhren
- Sonnen-, Mond- und Planetenuhren
- Pendulen, Stand-, Wand-, Turm- und Taschenuhren
- Marine-Chronometer, Quarz- und Atomuhren
Ebenso zählen Illustrationen, Grafiken, Fotografien, Beschreibungen, Bücher und andere Druckerzeugnisse, die in einem Sammlungszusammenhang zu diesen Objekten stehen, zum Bereich des Technischen Kulturguts.
Den Referentinnen und Referenten stehen je 20 Minuten Rede- und 10 Minuten Diskussionszeit zur Verfügung. Die Fachtagung findet als hybride Veranstaltung statt. Die Veranstaltungssprachen sind Deutsch und Englisch.
Wir freuen uns auf Ihr Exposé (max. 300 Wörter) sowie Ihre Kurzvita (max. 250 Wörter) und bitten Sie, beides in einem PDF-Dokument bis zum 18. Mai 2026 per E-Mail zu senden an: