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Digitalisierung, Sammlungen

Die Etiketten der Oryktognostischen Sammlung von A. G. Werner werden digitalisiert

Technische Universität Bergakademie Freiberg
Etikett, Breite: 10,3 cm:

Etikett, Breite: 10,3 cm: " Flussspath, inwendig violenblau ins Rothe übergehend, äusserlich nach einer gewissen Richtung einer Linie stark honiggelb..."

Susanne Baldauf

TU Bergakademie Freiberg / Susanne Baldauf

Bisher war die Oryktognostische Sammlung von Abraham Gottlob Werner (1749–1817) der Technischen Universität Bergakademie Freiberg in Schubladen gesichert aufbewahrt und konnte nur auf Anfrage eingesehen werden. In Kooperation mit der Sächsischen Landesbibliothek – Staats- und Universitätsbibliothek Dresden (SLUB) wurden die ersten 3.000 historischen Etiketten mit ihren Mineralen nun digitalisiert. Die Initiative erfolgte im Rahmen des Landesdigitalisierungsprogramms (LDP) für Wissenschaft und Kultur des Freistaats Sachsen.

Die Zeit um 1800 war von einer außerordentlich starken Entwicklung der Wissenschaften geprägt.Viele uns heute bekannte Disziplinen bildeten sich als selbstständige Fächer aus, so auch die Mineralogie. Die von Werner erarbeitete Mineralsystematik, die Oryktognosie, stellte einen Durchbruch in den damaligen Geowissenschaften dar und liegt nicht nur in schriftlicher Form vor, sondern auch als gegenständliche Sammlung bestehend aus Mineralstufe und Etikett.

Im Fokus des Digitalisierungsprojekts stehen die historischen, handschriftlichen Etiketten. Sie stellen das Bindeglied zwischen dem Sammlungsobjekt und den wissenschaftlichen Forschungs- und Lehrkonzepten dar und geben unmittelbar Auskunft über die Objektbezeichnung, den Fundort und den Zeitraum. „Wir können mit den Digitalisaten viel schneller Zusammenhänge zwischen verschiedenen Objekten feststellen und die Kontextualisierung der Mineralstufen sowie die Tiefenerschließung der Sammlungen vorantreiben. Die eigene Sammlungsarbeit wird erheblich erleichtert und Kolleg*innen anderer Wissenschaftsdisziplinen sowie Studierende können mit diesem geschützten Kulturgut arbeiten“, sagt Prof. Gerhard Heide, Direktor der Geowissenschaftlichen Sammlungen.

Geowissenschaftliche Sammlungen von Abraham Gottlob Werner an der TU Bergakademie Freiberg

Abraham Gottlob Werner war eine der bedeutendsten Persönlichkeiten der Montan- und Geowissenschaften um 1800. Werner gilt als Mitbegründer der Mineralogie und der Geologie als wissenschaftlich selbständige Disziplinen. Die von ihm gesammelten und bis heute erhaltenen Minerale samt Begleitschriften geben Einblicke in sein System zur Bestimmung und Klassifizierung der Minerale sowie in seine Mineralsystematik. Mehr als 40 Jahre (1775–1817) lehrte Werner an der Bergakademie Freiberg auf den Gebieten der Mineralogie, Geologie, Bergbaukunde und Metallurgie. Von seinen ursprünglich neun geowissenschaftlichen Sammlungen, die er für Lehre und Forschung angelegt hatte, sind die Systematische Oryktognostische Sammlung, die Edelsteinsammlung und die Äußere-Kennzeichen-Sammlung weitgehend unverändert erhalten geblieben. Diese drei Sammlungen Werners sind eine einzigartige gegenständliche Dokumentation des Entwicklungsstandes der Mineralogie und auch der Mineralfunde und mineralischen Rohstoffe der damaligen Zeit.

Veröffentlicht am 23.03.2021